Unter dem Titel „Der geschätzte Kunde – Brauchen wir mehr Datenschutz?“ hatte HR-Info am 3. Juli zu einer Podiumsdiskussion geladen. Diskutanten waren neben dem HR-Redakteur Henning Steiner der Datenschutzbeauftragter des Landes Hessen, Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch, Christian Horchert (@fukami), Dr. Thomas Riemann, Geschäftsführer des Verbands der Handelsauskunfteien (VdH), Dieter Weng, Präsident des Deutschen Dialogmarketing Verbands (DDV) und Carsten Knop, Journalist, verantwortlicher Redakteur  für die Unternehmensberichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Autor des Buches „Amazon kennt Dich schon: Vom Einkaufsparadies  zum Datenverwerter“
An dieser Veranstaltung nahmen, wenn auch nur im Publikum, mit Alexander Schnapper und mir zwei Vertreter der Piratenpartei Hessen teil. 
Zur Eröffnung präsentierte der HR-Redakteur Henning Steiner die Ergebnisse seiner Anfragen an Unternehmen, welche Daten über ihn gespeichert werden. Es zeigte sich, dass ein einziger Einkauf bei book.de zum Datenaustausch zwischen knapp einem Dutzend Unternehmen führte, die zum Teil ausserhalb Deutschlands sitzen und folglich nicht den hiesigen Datenschutzregeln unterliegen.
Leider fokussierte sich das Gespräch dann recht schnell auf den Datengiganten Amazon, so dass vorrangig die Frage des Kundenscorings diskutiert wurde. Hiefür warben die beiden teilnehmenden Lobbyisten Vertreter der Datenhandelsverbände, die Herren Dr. Riemann und Dieter Weng für Verständnis. Sie machten den Gesetzgeber verantwortlich für die Datensammelwut vieler Unternehmen und hoben die vermeintlich berechtigte Interessen der Unternehmen an der Bonität der Kunden hervor.
Bemerkenswert war hierbei vor allem die Aussage von Dr. Thomas Riemann, Geschäftsführer des Verbands der Handelsauskunfteien (VdH), der vorgab, das sogenannte Geoscoring abzulehnen. Andererseits hielt er aber eine Bewertung auf Basis von nur drei Daten für akzeptabel. Die Nachfrage, dass dann die naheliegende und seiner Ansicht nach ausreichende Verknüpfung von Name, Adresse und Geburtsdatum de facto Geoscoring sei, ließ er unbeantwortet.
Insgesamt stellte sich die Veranstaltung als reine Scheindiskussion dar. Probleme wie Prism und Tempora wurden als Randnotiz erwähnt, ohne ernsthaft angesprochen zu werden. Auch die Problematik des Handels mit Daten der Einwohnermeldeämter fand keine Erwähnung, ebenso wenig die Möglichkeiten der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen. Vor allem Dieter Weng hob immer wieder den vermeintlichen Nutzen für die Kunden hervor, denen durch die Datensammlungen immer besser angepasste Angebote gemacht werden könnten.
Enttäuschend agierte der hessische Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch, der sich im Kern darauf zurückzog, die datenschutzrechtlichen Bestimmungen seien ausreichend und gut.
Einzig @fukami und dem Journalisten Carsten Knop gelang es zwichendurch, die Probleme des Datenhandels, wie sie sich aus Verbrauchersicht ergeben, einzubringen und vor allem dem vermeintichen Kundennutzen zu widersprechen.
Erst die abschließende Öffnung der Diskussion ins Publikum brachte dann kritische Fragen zu den überwiegend oberflächlichen Argumenten und Positionen der Podiumsdiskutanten.
Fazit: 
Für Menschen, die sich bis dahin noch nicht mit dem regen Datenhandel und  Datenaustausch beschäftigt haben, war dieser Abend trotz der schwachen Diskussion ein guter Einstieg. Vor allen die eindrucksvolle Präsentation von Henning Steiner über seine Datenrecherche öffnete sicher manchem die Augen. Leider schaffte es die anschließende
Diskussion dann aber nicht, über Fragen des Scorings und dem Werbemutzen von Kundendaten hinaus zu kommen.
Update:
Die gesamte Diskussion kann man sich übrigens auch hier anschauen.
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