IM „roter Corsar“

3. November 2011

Ich muss mich entschuldigen. Bei den unzähligen Gesprächspartnern, mit denen ich über die Partei „die LINKE“ in den vergangenen Jahren diskutiert habe. Denn ich muss einsehen, dass ich mit meiner Einschätzung ganz offensichtlich völlig daneben lag.

Bislang habe ich mich mit einer Mischung aus Belustigung und Kopfschütteln immer wieder darüber gewundert, dass unsere diversen Regierungen diese Partei vom Verfassungsschutz überwachen lassen. Die vor allem von den selbsternannten christlichen Politikern immer wieder gerne ins Feld geführte These, es handele sich bei der LINKEN um eine Art politische Nachfolge der DDR, was über den Umweg PDS/SED dargestellt wurde, konnte ich nie ernst nehmen, gerade angesichts des hohen Anteils ehemaliger SPD-Mitglieder, die über Oskar Lafontaines WASG den Weg in die LINKE gefunden haben. Die schienen mir über solchen Vedacht wohl erhaben. Zumal man sich dann ja auch Gedanken darüber machen müsste, welches Erbe die bundesrepublikanischen Altparteien, gerade auch die mit dem „C“ im Namen, angetreten haben, als sie nach dem Krieg eine beachtliche Anzahl ehemaliger NSDAP-Mitglieder  in ihren Reihen aufgenommen haben. (Die Übersicht dazu gibts hier).

Nun allerdings belehrt mich die LINKE eines besseren: Man hat in dieser Partei nicht einfach nur den Traum der SED von einer Welt ohne Klassen übernommen; auch bei den Mitteln, mit denen man das politische System und die Gesellschaft in diese Richtung bewegen will, betreibt man Traditionspflege. Wir erinnern uns: Der größte Feind lebte nach Vorstellung der DDR-Granden im Innern, weshalb es unbedingt galt, diesen auszuspähen.

Bei den LINKEN in Bayern funktioniert das so: Das Mitglied des bayerischen Landesvorstands, Nicole Fritsche, schickt eine eMail an alle Kreisverbände mit der Aufforderung

forscht doch mal in der Vergangenheit der Piratenmitglieder vor Ort.
Kann man in Zeiten von bevorstehenden Wahlkämpfen in Land und Kommunen
sicher gut verwerten.“

Anlass und Hintergrund war die Tatsache, dass ein ehemaliges Mitglied des Kreisvorstands der Piraten in Freising eine abgeschlossene NPD-Vergangenheit hatte und bei deren Bekanntwerden zurückgetreten war.

Liebe LINKE, liebe „Genossin“ Fritsche,

ich wünsche Euch viel Erfolg bei der Anwerbung vieler IM „roter Corsar“. Eure Vorstellung, wie Politik und Wahlkampf betrieben wird, werde ich in bester Erinnerung behalten. Nicht nur, wenn künftig über mögliche Zusammenarbeit in Parlamenten diskutiert wird oder über Hintergründe und Sinn Eurer Anträge. Sondern auch und gerade dann, wenn mich jemand fragt,  was ich von Euch halte. In meinem politischen Spektrum habt Ihr Euch damit aus dem Kreis der demokratischen Parteien verabschiedet.

Mit alles anderem als sozialistischen Grüßen

Emanuel Schach